BLOG

02. Oktober 2022 | KRp

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Wir nehmen am 10.10. an der Auftaktveranstaltung der Woche der Seelischen Gesundheit teil.
Rita ist live in Berlin dabei und wird berichten …

13. August 2022 | Lars

Songtext und Song

Johnny and me

If I don’t know where to be, 
there’s a place I always feel free.
I look at the wall in my kitchen and I see, just some bottles Johnny and me.
There’re just some bottles Johnny and me.

My doctor told me you will go down because of drugs.
I said fuck you and now give me some of your bucks. 
Lalalala lalala la lalala. 

My doctor told me you will go down because of drugs.
I said fuck you and now give me some of your bucks. 
Lalalala lalala la lalala. 

And if I hurt myself today, 
I’m sure that Johnny will save the fucking day. 
No need to regret because, he helps me to forget bad thoughts. 
And in the end the bottom of the bottle is always dry,
only a tear drops in the jar from my eye. 

09. Juni 2022 | Anonym

… wenn mein Kopf endlich still wird …

Ich liebe es, wenn mein Kopf endlich still wird … wenn dieser Moment eintritt, in dem mein Verstand den Rückzug antritt. Endlich werde ich wieder locker, das entspricht doch viel mehr meinem ursprünglichen Wesen! Locker, lustig, frei! Ohne Sorgen, ohne Gedanken an morgen, ohne „was ist wenn“…

Der Alltag erdrückt mich. Es ist zu viel, zu viel, zu viel!! Es hört nicht auf, die Probleme hören nicht auf, ein Problem reiht sich an das nächste. Ich will das nicht, ich kann das nicht.
Endlich treibe ich wieder Sport! Endlich formt sich meine Figur, endlich nehme ich wieder ab! Dann ist es doch nicht schlimm, wenn ich am Wochenende mal was trinke, oder? Ist doch nur am Wochenende. Nur ein Mal. Nur ein Mal sorgenfrei sein, nur ein Mal feiern. Aber Moment mal… wenn ich ehrlich bin, ist es nicht nur ein Mal am Wochenende. Ich brauche diesen freien Kopf öfter. Ein Mal reicht nicht. Zwei Mal! Freitag und Samstag! Ja, so ist es besser. Der Sonntag ist ab und zu fürn Arsch, weil ich mich so schlecht fühle. Aber sonntags kann man ja auch einfach nur mal chillen. Nichts tun. Außerdem ist der Kopf noch ganz benebelt; so kann er auch nicht viel Lärm machen. Puh, jetzt trinke ich erst mal nichts mehr! Das genügt für die nächsten Wochen.
Einen Tag schaffe ich. Am zweiten Abend trinke ich wieder. Nur ein Glas! Dass der Kopf aufhört zu rattern… weg vom Druck, weg vom Alltag, weg von den Sorgen. Ist doch nicht schlimm! Und das zweite Glas auch nicht.
Nachts kann ich dann nicht schlafen. Ich werde wach, habe Herzrasen, bin nervös, habe Angst. Lieber Körper, ich verspreche dir, ich trinke NIE WIEDER!!! Aber bitte, bitte… hör auf durchzudrehen. Das brauche ich jetzt nicht auch noch. Ich verspreche dir, dass ich ab heute mehr Rücksicht nehme. Auf dich, auf meinen Kopf, auf meinen Geist. Ich verspreche, dass ich mehr auf mich achte, mich besser behandle, nicht mehr so unsicher bin, mich mehr liebe, den Kopf hoch halte, egal was kommt. Egal, welche Probleme wieder anklopfen… ich bleibe stark!! Ok? Lass uns zusammen halten! Der Kopf beruhigt sich, Frieden kehrt ein. Schließlich habe ich gerade ein heiliges Versprechen abgegeben!
2 Tage später trinke ich ein Glas Rotwein… ist doch gesund! Ist doch nur ein Glas! Da ist doch nichts dabei. Kopf aus, Ruhe an… Versprechen gebrochen.

27. Mai 2022 | KRp

Danke für die Aktion Video

Unser Dank gilt allen, die uns in dieser Aktion bestärkt, geduldig unsere Nervosität mitgetragen haben und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Ein besonderer Dank geht natürlich an unsere Sponsoren:
An Per Reul, Hotel Ludwig van Beethoven, der uns über die gesamte Woche mit Kost und Logis großzügig unterstützt hat, an die Gruppe WILLMAN, die uns mit ihrem Song inspiriert hat und diesen kooperativ autorisiert hat für unseren Film, an Sober Sebsation für den Einblick in ihre Eventlocation und die Zusammenarbeit, für die Nachbarschaftshilfe von Dirk Griesinger, SIMPLIOFFICE // SimpliUs Holding GmbH, der uns seinen Highend Beamer zur Verfügung stellte und an Michael Steffen, Steffen Residential GmbH & Co. KG, für die starke Autobatterie.

Sharing is caring. Danke!

27. Mai 2022 | KRp

Unser Video: Produziert auf dem Tempelhofer Feld

Zum Video: Face it! on.the.road.

22. Mai 2022 | KRp

2. Aktionstag Berlin: Tempelhofer Feld

Vom (Sturm-)Tief wieder ins Hoch kommen. Das war die Challenge am Samstag. Aber dafür sind wir ja ein Team und wir ermutigen uns gegenseitig für unsere gemeinsame Sache. Treffpunkt Hotellobby 19:30, wir wollen um 20:00 auf dem Tempelhofer Feld sein. Rechtzeitig zur Dämmerung und mit genügend Zeit, für ein paar Videodurchläufe. Der Wächter wird bald schließen.

Kein Parkplatz weit und breit. Neuköllner Maientage 2022 in der Hasenheide. Sich von Fahrgeschäften durchschütteln lassen, mit Zuckerwatte, Schaumeis und Würstchen ins Fresskoma stürzen und natürlich Schalalala Alkohol. Eigentlich ein optimaler Rahmen, um einen abstinenten Kontrapunkt zu setzen. Doch wir bleiben bei unserem Plan vom Tempelhofer Feld und satteln um auf die Lastenräder.
Schneeweiß und filigran steht er da, der Radarturm am Tempelhofer Flugfeld, ein leichtgewichtiges Gegenstück zum Massiv des Flughafengebäudes aus der NS-Zeit. 
Rundum in der scheinbar endlosen Fläche sammeln sich verschiedene Partygruppen um verschiedene Musikinseln, sportliche Menschen lassen den Tag lässig ausklingen im abnehmenden Licht des Tages. Zwischen allem ein Wind wie an der Ostsee, der die Musik und die Gespräche zerpflückt und in alle Richtungen verteilt, in den stillen Baumecken: Lärchen!
Auf einer Anhöhe endlich unser Ziel. NI06TA, ein ausrangiertes amerikanisches Passagierflugzeug, jetzt der Natur überlassen und eben auch für das Aktionsvideo. Eine weitere Feiergruppe campiert im Gras und tanzt zu ihrer Musik. Sektkorken knallen. 
Die Dämmerung ist nun optimal, der Stromkreis für den Beamer geschlossen und Film ab! 
WowWowWow!! Wir sind zutiefst bewegt von der Strahlkraft der Projektion und von unseren erdachten Impressionen. Auch wir tanzen jetzt zur unserer Filmmusik, singen mit zum Song „Alkohol“ von WILLMAN, drehen für einen kurzen Moment die Boxen noch mal richtig auf und geniessen dieses überwältigende Gefühl, dass wir es geschafft haben. 

Mission possible.

(…) Des Wächters letzte Runde
Die Lichter siehst auch du
Gleich kommt die Schreck-Sekunde
Da geh’n die Tore zu
Es war ein schöner Tag
Oh ja, so ein schöner Tag
Am schönsten Platz der Welt
Auf dem Tempelhofer Feld
Tempelhofer Feld
Tempelhofer Feld

(Quelle: Song „Tempelhofer Feld“ von Danny Dziuk / Antoine Villoutreix)

Mission completed. We will go on.

20. Mai 2022 | KRp

1. Aktionstag Berlin: Sober Sensation 

Beamer
2 Spannungswechsler
Autobatterie 
Kabeltrommel 
Soundbox 
Laptops 
Kabel für alle Anschlussfälle
Lastenräder, Elektroauto, Elektro-Moped
Flyer 

Hightech-Aktivisten mit Nachhaltigkeitsanspruch: So starten wir unsere on.the.road. Tour Face it!

Und dann gesellt sich noch eine stürmische Begleiterin dazu: Emmelinde, das Tief mit dem Unwetterpotential ab 20:00 bis in die Nacht. Volltreffer, genau in unserem Aktionszeitraum. Wir schalten in den achtsamen Guerillamodus und machen alles sturm- und regenfest.

Unser einiges Ziel heute daher die Eventlocation von Sober Sensation sobersensation.com.

Partys ohne Alkohol und Drogen? In Berlin? Das muss Satire sein. Doch die Veranstalter meinen das ernst und sind Trendsetter. Kakao Zeremonie, später dann Pop und House Dancefloor.

Für unsere Videoinstallation ist es zu hell und zu früh. Anyway! Let’s take it easy, der Stromkreislauf funktioniert, wir nehmen es als Generalprobe für den nächsten Aktionstag und genießen Pizza essend den Regenguss im trockenen Hotel Ludwig van Beethoven.

20. Mai 2022 | KRp

Berlin: Rückblick 2021 und Aussicht 2022

Vor einem Jahr noch Pustebingo, Therapieplan und Suchtampelblitzrunden in Tönnisstein. Heute sehen wir uns nach all der Zeit und unzähligen virtuellen Meetings für die Gründungsphasen von Kunstreport plus und Kunst und Sucht e. V. endlich alive in Berlin. Das ist bewegend und fast auch ein wenig surreal. Hier schließen wir die Vereinsgründung notariell ab und der Countdown für unsere Aktion Face it! zur bundesweiten Aktionswoche Alkohol beginnt. Wird unsere Kunstaktion, an der wir die letzten Wochen nimmermüde konzeptionell und technisch gearbeitet haben, sich in der Realität wirklich umsetzen lassen? Wie werden die vorbeilaufenden Menschen darauf ansprechen? Was können wir bewegen und in Aktion setzen?

Aufregung liegt in der Luft bei 29 Grad.

16. Mai 2022 | KRp

Bundesweite Aktionswoche Alkohol 2022 gestartet

„Während der Aktionswoche Alkohol vom 14.–22. Mai 2022 informieren Fachleute und Freiwillige aus der Suchthilfe, Suchtprävention und Sucht-Selbsthilfe mit vielfältigen und kreativen Veranstaltungen in ganz Deutschland über die Risiken des Alkoholkonsums. Auch Betriebe, Verwaltungen, Kliniken, Krankenkassen, Arztpraxen, Apotheken, Sportvereine, Kirchengemeinden, Hochschulen und weitere Engagierte beteiligen sich mit Aktionen. Schwerpunktthema in diesem Jahr ist die Sucht-Selbsthilfe. Die Präventionskampagne steht unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert. Veranstaltungen in Ihrer Nähe sowie Onlineformate finden Sie im Terminkalender der Aktionswoche Alkohol 2022“.
www.dhs.de

16. Mai 2022 | KRp

Der Countdown läuft, am 19. Mai gründen wir unseren Verein 

Wir sind in der finalen Gründungsphase des KUNST UND SUCHT e. V., um uns breiter aufzustellen. Wir gehen verstärkt in die Öffentlichkeit. 

16. Mai 2022 | KRp

Face it! On the road.
Wir gehen raus, in Berlin.

Face it! on.the.road. Wir nehmen an der „Aktionswoche Alkohol 2022“ (14.–22. Mai 2022) teil – und das in Berlin.
Das KUNSTREPORT plus-Team und KUNST UND SUCHT e.V. (i.G) plant eine Pop-up-Aktion an spontan wechselnden Orten in Berlin. Start am 20.5.2022 abends auf dem Tempelhofer Feld, Eingang Columbiadamm 124. Uns geht es um die transformative Macht, mit digitalen Projektionen vertraut und doch subversiv das Thema Alkoholkonsum im öffentlichen Raum zu spiegeln. 
Weitere Infos bekommt Ihr direkt über uns: info@kunstreport-plus.de

16. Mai 2022 | KRp

Tolle Band, neuer Song

Der Song heißt „Alkohol“ von WILLMAN
daswillman.de

10. Mai 2022 | KRp

„Zien drinken doet drinken“

Kurzfilm der Kampagne „Zien drinken doet drinken“ zu Alkoholwerbung

Die Kampagne „Zien drinken doet drinken“ der Alliantie Alcoholbeleid Nederland (Niederländische Allianz für Alkoholpolitik) zielt u.a. darauf ab, Eltern für die Präsenz und den Einfluss von Alkoholwerbung zu sensibilisieren. Dazu wurde der Kurzfilm „Alcoholreclame, uw kind ziet meer dan u denkt“ („Alkoholwerbung, dein Kind sieht mehr als du denkst“) produziert. Darin erzählen Kinder einer Gruppe von Schüler:innen einer niederländischen Grundschule auf ihre eigene Art und Weise, ob sie Alkoholwerbung sehen, wo sie sie sehen und was sie darüber denken. Der Kurzfilm ist auf YouTube auf Niederländisch sowie mit englischen Untertiteln verfügbar. 

25. April 2022 | Julia | 49 

Akute Intoxikation [akuter Rausch]

Anlässlich einer Krankenkassenbescheinigung bin ich akut mit dem Ablauf der letzten 2 Jahre meines Lebens konfrontiert. Eine hübsche Summe an stationären Aufenthalten im Krankenhaus und in der Psychiatrie. Jedes Mal die Diagnose „Akute Intoxikation [akuter Rausch]“, 8–12 Tage Entzug waren die Folge. 

Die einzelnen Aufenthalte auf „Station“, die einzelnen Situationen jedes Aufenthalts, die einzelnen Menschen, die ich traf oder mit denen ich ein Zimmer teilte. Das alles sehe ich nochmal vor Augen. So klar und chronologisch wie noch nie. Unterschiedlichst schwer Erkrankte, psychisch und körperlich, meist beides. 

Ich möchte hier loswerden, dass ich gepeinigt bin davon, gedemütigt und ziemlich verschlissen. Nicht nur der Alkohol hat mich übelst gerupft und getriezt, auch die Klinikaufenthalte. Diese Abhängigkeit von der Tabletten-Gabe um die Entzugssymptome und Panik zu lindern, der Verlust der Autonomie, das Gefühl ein max. halber Mensch ohne Lebensberechtigung zu sein – ein erbärmlicher Mensch, der seiner Sucht erlegen ist und alleine in der Gosse gelegen hätte oder gestorben wäre ohne Hilfe. Das verursacht tiefe Narben, schwere Traumata. 

01. Februar 2022 | Rita | 55 | alkoholunabhängig

#dryjanuary: Blues in Grau

#dryjanuary: der Klassiker unter den guten Vorsätzen im neuen Jahr. Gepusht durch die sozialen Medien mittlerweile life style. 1 Monat ohne Alkohol. Komplett! Keinen Tropfen!! Eine echte Instagram Challenge!!! Auch die Tageszeitungen machen mit. Im Wochenendteil gibt es doppelseitige Interviews mit anonymisierten Alkoholiker*innen und ein wenig Wissenswertes über Leberzirrhose, Pankreatitis, Immunsystem – eingebettet in die ewig gleichen Bilder von umgekippten Rotweingläsern.

Ich lebe seit fast einem Jahr abstinent. Gebracht hat es nicht bessere Haut, die Waage ist auch nicht nach unten gegangen und jetzt im Januar war ich vor allem eins: mies drauf. Eine nasskalte Wand in Grau, keine erwärmende Fluchtmöglichkeit in die promillelastige Gegenwelt, kein Schmiermittel, das mich geschmeidig macht für den Umgang mit den anderen. Und mies drauf wegen der abgelatschten Bilder der dryjanuary Medienwelt.

Mich so wahrzunehmen, zu akzeptieren und mir die Erlaubnis zu geben, so unentschuldigt mies drauf sein zu dürfen, das war meine Januar „Challenge“. Und ich bin gewappnet für den freakyfebruary.

02. Januar 2022 | Fasen | 42

Teufelswasser 

Nur sterben ist schlimmer, wenn überhaupt. Vielleicht wäre das auch eine feine Lösung gewesen. Leider komme ich mit einem traurigen Blick auf 2021 um die Ecke. Mein Jahr 2021 war einfach eine große, leidvolle Katastrophe mit einer Aneinanderreihung von Tiefpunkten und langen Tiefphasen. Ein paar sehr knappen Situationen bin ich entkommen. Einfach mal so an einer Mauer kauernd das Bewusstsein verloren. Oder nach dem Beschaffen von Wodka auf der Straße vor meiner Wohnung zusammengeklappt. Ich erspare euch jetzt demütigende, traumatisierende Details. Dann mehrere Alkohol-Entzüge, ein Hoch und Runter, Hin und Her. Jetzt bin ich seit über 3 Monaten trocken, richte meinen Blick nüchtern auf dieses neue jungfräuliche Jahr und stelle fest, dass ich mich – auch wenn noch sehr gebeutelt – auf 2022 freue. 

28. November 2021 | Anonym

1. Advent

Ein heller, leuchtender, klarer 1. Advent 2021. Ich bin glücklich und sehr dankbar trotz oder gerade wegen der Erinnerung an 9 Wochen zuvor.
An jenem Sonntag sah die Welt und ich düster, schäbig und erbärmlich aus. Voller Angst und Schrecken und Wirrheit lieferte ich mich in eine Klinik ein. Mit letzter Kraft und aus Selbstschutz. Schwerer Alkoholmissbrauch. Die Angst und Paranoia, es selber nicht mehr zu schaffen, bereiteten sich wie ein Feuer aus und die Flammen züngelten mich bedrohlich an. So erscheint es mir rückblickend. Ich raffte hektisch ein paar Sachen zusammen und rief panisch einen Rettungswagen an. So kam ich aus der Misere raus, durch einen sofortigen stationären Entzug. Es war nicht der 1. Entzug, aber der schlimmste Entzug. Jetzt ist alles überstanden und ich schätze jeden trockenen Tag, und den 1. Advent.

11. November 2021 | Marcel Altgeld

11.11. 11:11 Uhr

„Ey Basti, du kannst jetzt noch nicht kotzen!“ ruft Super Mario. Der schmutzige Teletubbie, hört im bürgerlichen Leben wohl auf den Namen Sebastian, lehnt etwas ungelenk an einer Laterne und verzieht das Gesicht zu einer „Gerade-noch-gut-gegangen-Grimasse“. In seiner Hand eine halb geleerte Flasche Wodka.
Es ist 7:46 Uhr am Morgen und wir warten zusammen auf den Regionalzug nach Köln.

Sebastian Teletubbie mag vielleicht 15 Jahre alt sein. Und definitiv zu betrunken für sein Alter und diese Uhrzeit.
Ich kann mich noch sehr gut an diese Zeit erinnern, als es bei mir los ging. Man fühlte sich stolz, erwachsen, erhaben und unsterblich. Dass das Trinken bei mir irgendwann zum Problem wurde, konnte ich da noch nicht ahnen. Auch fällt es mir schwer, einen Zeitpunkt zu benennen, an dem es kippte. Es war ein fließender Übergang, der zwanzig Jahre dauerte. Wahrhaben wollte ich das erst als es vermeintlich schon zu spät war. Ein immer weiter fortschreitender Kontrollverlust, mit großer Zustimmung einer saufenden Gesellschaft.
Ich frage mich, wie es Sebastian geschafft hat, sich eine Flasche hochprozentigen Alkohol zu besorgen. Hat er ihn einfach auf das Kassenband gelegt, bezahlt und dann ohne weiteres aus dem Supermarkt getragen? Es wäre erschreckend, ist aber leider normal.
Ich hoffe für Sebastian, dass es ihm nicht so ergeht wie mir. Aber ich hoffe auch, dass es ihm in Zukunft schwerer gemacht wird, Alkohol zu kaufen.
Lieber Sebastian Teletubbie: „Pass auf dich auf …!“

03. November 2021 | Marcel Altgeld

It’s ok not to be ok.

Es gibt Tage, an denen alles zu zersplittern scheint. Zukunftsangst, Depression, Zweifel an der Abstinenz oder bange Minuten des allgegenwärtigen Suchtdrucks …

Diese Tage lähmen mich, ziehen mich hinab in einen Strudel, der so stark scheint, dass es unmöglich ist, ihm etwas entgegenzusetzen. Und doch habe ich einen Weg gefunden! Ich lerne loszulassen …
Loslassen kostet weniger Kraft, als festhalten und dennoch ist es schwerer.
Lässt man aber los, hat man beide Hände frei. Das Gefühl für dich selbst kehrt zurück und plötzlich ist sie da – die Kontrolle.
Ich weiß, dass mich die zersplitternden Tage begleiten werden. Noch eine lange Zeit. Vielleicht sogar für immer. Und das ist auch gut so! Ich nehme sie an, wie sie kommen und akzeptiere sie. Sie gehören, genau wie die Krankheit an sich, zu meinem Leben. Die Bewertung und die Sichtweise sind der Schlüssel.
An diesen Tagen sage ich mir Mantraartig diesen einen Satz, immer und immer wieder:

It’s ok not to be ok.
25. Oktober 2021 | Rita | 55 | alkoholunabhängig

Let the light gets in

„There is a crack in everything,
that’s how the light gets in“ (Leonard Cohen)

Kintsugi: Eine Geschichte vom Zerbrechen und wieder Heil werden.

Es heißt, dass Kintsugi auf Ashikaga Yoshimasa, einen Shōgun des 15. Jahrhunderts, zurückzuführen ist. Nachdem er eine seiner chinesischen Teeschalen aus Versehen zerbrach, schickte er diese zur Reparatur nach China – und wurde von dem endgültigen Ergebnis schwer enttäuscht. Daraufhin legte er japanischen Kunsthandwerkern ans Herz, eine ästhetisch ansprechendere Methode zu entwickeln, um seine Lieblingsschale wieder ansehnlich zu machen. Das Ergebnis war Kintsugi.15

Kintsugi 金継ぎ ist die japanische Kunst, Zerbrochenes wieder zusammen zu setzen. Es bedeutet sprichwörtlich „goldenes Zusammensetzen“. Kintsugi ist eine aufwendige Reparaturtechnik, bei der Keramikstücke wieder zu einem neuen Ganzen zusammengesetzt werden – die „Narben” werden anschließend mit echtem Gold bedeckt.

Dahinter steht die Idee, dass alle Dinge einzigartig sind und ein Zerbrechen nicht das Ende ist. Wenn die Reparatur kunstvoll mit viel Liebe und Aufmerksamkeit gelingt, kann etwas viel Stärkeres, Neues erschaffen werden. In der Kintsugi Philosophie liegt eine Abkehr zum Perfektionismus und vermeintlich äußerer Schönheit. Es geht um Mut und Geduld und darum, an dem Bruch stetig und sorgsam zu arbeiten.

Miku Sophie Kübel verwendet „Kintsugi“ als Titel für ihren 2019 erschienenen Roman. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung und dem aspekte Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt 2019 ist dieses Buch ein flirrender Roman über die Liebe in all ihren Facetten und über den Trost, den wir in Unvollkommenen finden. Und darüber, wie es weiter geht. Und es geht immer weiter.

Für mich ist Kintsugi eine lebensverändernde heilsame Metapher für meinen eigenen Suchtlebenslauf. Denn wenn ich diese Philosophie auf mein Leben übertragen, kann sich eine Kraft entfalten, die mich ermächtigt, mein süchtiges Leben, dass ich oft als „zerbrochen” oder „verloren” in Erinnerung habe oder bewerte, zu einer neuen Wendung zu bringen.

21. Oktober 2021 | Rita | 55 | alkoholunabhängig

day by day

Die ersten 100 abstinenten Tage sind schon längst vorbei. Gone. Passé. Vergangenheit.
Gezählt habe ich sie nicht. Nur gefühlt, wie Klarheit, Energie, Lebensfreude zurückkehren und mich Tag für Tag wieder mehr in Einklang bringen mit mir selbst.
Am 13.3. habe ich einen geharnischten Brief an meine beste Freundin, die rosarote Prinzessin geschrieben. Dass sie seit Anfang 2021 schon längst ersetzt war durch ihren ätzenden Komplizen, den morgendlichen GinTonic, wurde mir auch erst klar nach der Trennung (Nebliger Tag).

Heute lebe ich unabhängig vom Alkoholkonsum. Darauf bin ich unglaublich stolz. Dieses klare und klärende Gefühl der Freiheit verschafft mir Glücksmomente und stilleren Frieden mit mir selbst. Äußere Problemsituation gibt es logischerweise auch immer noch, manchmal auch Tag für Tag. Sie nüchtern zu betrachten und zu bewältigen habe ich nun gelernt. Und ich bin manchmal auch schier erstaunt, wie leicht manches zu lösen ist.

Ich werde wohl auch die kommenden Tage, Wochen, Monate nicht zählen. Ich weiß aber um die immense Bedeutung, achtsam zu sein, um meine Abstinenzentscheidung vom 13.3.2021 zu verfestigen. „Never ever fuck your own decision“, so habe ich mich damals etwas dramatisch eingeschworen. Heute sage ich zu mir: „An jeden neuen Tag schütze und sichere ich meine Entscheidung für ein suchtbefreites Leben“. Klingt auch dramatisch, ist es manchmal auch ein bisschen.

10. Oktober 2021 | Nina Heick

Meine Romane kurz beschrieben

„ZWEI HERZEN – Wer bin ich? Wer will ich sein?“
Eine bewegende, mutige Geschichte über die Liebe, über Verarbeitung, Kampf, Hoffnung und die Suche nach sich selbst.
„ZWEI HERZEN“ beschreibt die innere Zerrissenheit zwischen den Höhen und Tiefen des Lebens einer jungen Frau, die sich mit sich selbst und ihrer komplizierten Vergangenheit auseinandersetzt, um in der Gegenwart klarzukommen. Im Kampf gegen die Depression und Essstörung versucht sie, die Schatten ihrer Kindheit zu verarbeiten und sich den Fragen „Wer bin ich?“ und „Wer will ich sein?“ zu stellen. Die Suche nach der verlorenen Zeit, in der es an Familienzusammenhalt, Liebe und Anerkennung fehlte, beginnt.

In ihren Aufzeichnungen zeigt sich die Ich-Erzählerin Vici von all ihren unterschiedlichen Seiten: analytisch, wütend, stark, verzweifelt, tanzwütig, anlehnungsbedürftig, partylaunig, verliebt, verletzt, provokant, hoffnungsvoll und brüchig. Ihre Sprache ist ebenso vielschichtig: mal distanziert, mal liebevoll, mal sehr direkt, mal ironisch und sarkastisch und in ihren eingestreuten Gedichten zart und poetisch.
www.ninaheick.de/my-books/long-novel-1/

„REISE OHNE ZIEL – Wo bin ich? Wo will ich hin?“
Die ehrliche Geschichte einer jungen Frau, die zeigt, wie schwierig es ist, die eigene Wahrheit zu finden – und wie sehr es sich lohnt, sich selbst zu begegnen.
„REISE OHNE ZIEL“ ist die Fortsetzung des Romans „ZWEI HERZEN“. Er handelt von der fast dreißigjährigen Vici, die nach Aufarbeitung ihrer schwierigen Kindheit den von Glasscherben übersäten Weg der Stabilisierung einschlägt, auf dem sie sich immer wieder die Füße blutig läuft. Beruflich hat sie eine neue Perspektive gefunden, die ihr Kraft gibt, doch in ihren ungewollt komplizierten Beziehungen verfällt sie Mustern, die sie an die Wunden ihrer Vergangenheit erinnern. Einer Vergangenheit, die durch Verluste geprägt ist und ein Gefühl des Nie-satt-Seins hinterlässt, sodass Vici zwischen Annahme und Abwehr um das Erlernen von Bewältigungsstrategien ringt. Dennoch gibt sie die Suche nach dem Leben, das zu ihr passt, nicht auf, lernt beharrlich, sich zu behaupten, und geht weiter auf die Reise.
Dieses Buch, das für sich alleine stehen kann, gewährt tiefe Einblicke in ein verletzliches, sehr sensibles Wesen – erdrückend, erschreckend, schonungslos ehrlich. Aber auch kritisch, sarkastisch und schlagfertig.
www.ninaheick.de/my-books/long-novel-2/

05. Oktober  2021 | KRp

Lene Marie Fossen

Lene Marie Fossen war eine zutiefst beeindruckende magersüchtige und hochtalentierte Künstlerin.

Sie  ist eine norwegische Fotografin, die seit 20 Jahren an Anorexie leidet. Ihre eindrucksvollen Fotos, die auf der griechischen Insel Chios entstanden sind, machen sie schlagartig berühmt. Im Herbst 2019 erlag die junge Frau ihrer Krankheit.

Der Film „Lene Marie oder das wahre Gesicht der Anorexie“ ist ein künstlerisches Meisterwerk.

ARTE/BR/Speranza Film Norwegen/Lars E.T. Aymo

„Self Portrait“

‚Selvportrett‘ tells the story of one of Norway’s leading photographer-artists Lene Marie Fossen who was suffering from anorexia …
Norwegen 2020 – Regie: Margreth Olin, Katja Hogset, Espen Wallin

Hier ist  ein Interview mit dem berühmten Fotografen Morton Krogvold (Lene Marie Fossen und Morten Krogvold, TEDxArendal)
03. Oktober 2021 | KRp

Mein Bekenntnis zur Selbstachtung

Dieser zeitlose Text von Virginia Satir aus „Selbstwert und Kommunikation“ hat mich sehr berührt und inspiriert.

„Ich bin ich selbst. Es gibt auf der ganzen Welt keinen, der mir voll­kommen gleich ist.

Es gibt Menschen, die in man­­chem sind wie ich, aber niemand ist in al­­lem wie ich. Des­halb ist al­­les, was von mir kommt, ori­gi­­nal mein; ich habe es gewählt. Alles, was Teil meines Selbst ist, gehört mir – mein Körper und alles was er tut, mein Geist und meine Seele mit allen dazugehörigen Gedanken und Ideen, meine Au­gen und alle Bilder, die sie aufnehmen, mei­ne Gefühle, gleich welcher Art: Ärger, Freude, Frus­tration, Liebe, Enttäuschung, Erregung; mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen, höflich, liebevoll oder barsch, richtig oder falsch, meine Stimme, laut oder sanft, und alles, was ich tue in Beziehung zu anderen und zu mir selbst.

Mir gehören meine Phantasien, meine Träume, meine Hoffnungen und meine Ängste.

Mir gehören alle meine Siege und Erfolge, all mein Ver­sagen und meine Fehler.

Weil alles, was zu mir gehört, mein Besitz ist, kann ich mit allem zutiefst vertraut werden. Wenn ich das wer­de, kann ich mich liebhaben und kann mit allem, was zu mir gehört, freundlich umgehen. Und dann kann ich möglich machen, dass alle Teile meiner selbst zu meinem Besten zusammen arbeiten.

Ich weiß, dass es manches an mir gibt, was mich verwirrt und was mir gar nicht bewusst ist. Aber solange ich liebevoll und freundlich mit mir umgehe, kann ich mutig und voll Hoffnung darangehen, Wege durch die Wirrnis zu finden und Neues an mir selbst zu entdecken …

Wie immer ich in einem Augenblick aussehe und mich anhöre, was ich sage und tue, das bin ich. Es ist ori­ginal und zeigt, wo ich in diesem Augenblick stehe. Wenn ich später überdenke, wie ich aussah und mich anhörte, was ich sagte und tat, und wie ich gedacht und gefühlt habe, werde ich vielleicht bei manchem feststellen, dass es nicht ganz passte. Ich kann das aufgeben, was nicht passend ist, und behalten, was sich als passend erwies, und ich erfinde etwas Neues für das, was ich aufgegeben habe.

Ich kann sehen, hören, fühlen, reden, denken und handeln.

Ich habe damit das Werkzeug, das mir hilft zu überlegen, anderen Menschen nahe zu sein, produktiv zu sein und die Welt mit ihren Menschen und Dingen um mich herum zu begreifen und zu ordnen.
Ich gehöre mir, und deshalb kann ich mich lenken und bestimmen.

Ich bin ich, und ich bin o.k.“

(Satir, Virginia, Selbstwert und Kommunikation, Klett-Cotta 1972)